Es gibt viele Ursachen für das Zähneknirschen und/oder -pressen, den sogenannten Bruxismus. Sie sind auch noch nicht abschließend untersucht. Zum Teil sind schlecht sitzende Füllungen, Kronen, Brücken oder Prothesen verantwortlich. Es kann auch eine kieferorthopädische Fehlstellung vorliegen. Doch das ist meist nicht der einzige Grund. Verdrängte Aggressionen, Ärger und Sorgen, Trauer, Enttäuschung und jede Art von permanentem Stress können das nächtliche Zähnepressen hervorrufen. Diejenigen, die tagsüber »den Mund halten müssen« und alles »hinunterschlucken«, sind besonders prädestiniert, nachts mit den Zähnen zu knirschen.
Der Arzt inspiziert die Mundhöhle und tastet die Kaumuskulatur ab. Manchmal ist das Höckerrelief der Zähne bereits abgeflacht und der Zahnschmelz abgeschliffen – es entstehen sogenannte Schliff-Facetten. Wie das Knirschen kann auch das Aufeinanderpressen der Zähne zu feinen Rissen im Zahnschmelz führen. Zusätzlich können die Kaumuskeln schmerzen. Sie werden größer und verhärten. Auch die Kiefergelenke sind durch das Knirschen und Pressen häufig in Mitleidenschaft gezogen. Dies kann der Zahnarzt durch Abtasten der Wangenmuskulatur und der Kiefergelenksregion diagnostizieren.
Die Kaumuskeln können schmerzen, besonders morgens nach dem Aufwachen. Sie verhärten. Wer sich unsicher ist, ob er zu den Knirschern gehört, sollte morgens die Muskulatur an der Wange zum Kiefergelenk hin abtasten. Ist sie verspannt oder verhärtet? Oder haben sich dort kleine Knubbel gebildet? Auch die Kiefergelenke sind durch das Knirschen und Pressen häufig in Mitleidenschaft gezogen und können Schmerzen verursachen. Schließlich kann der Partner das Knirschen nachts hören. Wenn es besonders intensiv ist, kann er sogar davon aufwachen.
Das Mittel der Wahl ist eine vom Zahnarzt individuell angepasste Aufbissschiene aus Kunststoff. Damit werden die Zahnreihen auf Abstand gehalten und vor weiterem Schaden bewahrt. Auch die Muskulatur wird entlastet. Allerdings ist das eine akute Symptomtherapie, die die Ursache nicht behebt. Es geht also auch darum, sich verdrängten Emotionen zu stellen, sich etwa zu fragen: Wie komme ich mit Aggressionen klar? Kann ich traurig sein, wenn es mir schlecht geht? Vielen Betroffenen helfen Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Muskelentspannung. Eine Psychotherapie kann ebenfalls dabei helfen, die eigenen Gefühle aufzuarbeiten.
Mindestens ein Drittel aller Erwachsenen knirscht im Laufe des Lebens zeitweise mit den Zähnen oder presst die Zähne nachts fest aufeinander. Etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen entwickeln ein Krankheitsbild mit Schäden am Kauapparat. Vor allem Frauen zwischen 30 und 45 Jahren mahlen nachts unbewusst mit den Zähnen. Sie machen rund 80 Prozent aller Knirscher aus.
Das hängt von der individuellen Situation ab. Bei starken Knirschern kann eine Neuanfertigung nach acht bis 12 Wochen nötig sein, bei anderen hält die Schiene zwei Jahre oder länger. Gesäubert wird die Schiene, die nachts getragen wird, morgens nach dem Aufstehen mit Wasser, Zahnbürste und Zahnpasta.